Martin von Tours
Geboren um 316/317 als Sohn eines römischen Offiziers. Selbst Offizier geworden tritt
Martin zum Christentum über und aus der Armee aus. Er lebt als Einsiedler, Mönch
und Klostergründer bis er zum Bischof von Tours berufen wird. Martin erlangt Berühmtheit
als Heidenmissionar und Wundertäter. Gestorben am 8. November 397 wird seiner an seinem
Beerdigungstag, dem 11.November,
gedacht.
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Sankt Martin
Sankt (vom lat. sanctus) bedeutet "heilig" und kennzeichnet verstorbene Personen,
die in der Katholischen Kirche "zur Ehre der Altäre" gelangt sind, also der
Kirche als heilig gelten und/oder heiliggesprochen wurden und deshalb in Gottesdiensten an
einem besonderen Gedenktag (meist Todestag) angerufen werden. Nach Gregor von Tours, neunzehnter
Bischof in Tours von 573 - 594, hatte schon Perpetuus, der sechste Bischof von Tours (ca. 461
- 491), der anstelle des Oratoriums über dem Grab des Martin eine Basilika errichtete,
die liturgische Verehrung von Sankt Martin angeordnet. Nachweislich wurde der im Volksglauben
"apostelgleiche" Sankt Martin im 5. Jahrhundert bereits als Heiliger angerufen. Besonders
häufig ist Sankt Martin im Trierer und Kölner Raum als Kirchenpatron und Volksheiliger
anzutreffen, wo er auch im Volksbrauchtum lebendig blieb (In der Stadt Köln war Martinus
sogar Patron von zwei Kirchen: Groß-Sankt Martin, ehemals auf einer Rheininsel gelegen,
war ein vorkarolingisches Schottenkloster; Klein-Sankt Martin wurde eine der fünf Altstadtkirchen
genannt). Als Schutzpatron tritt Sankt Martin bei Ländern und Armeen, Rittern, Soldaten,
Reisenden, Flüchtlingen, Huf- und Waffenschmieden, Alpenhirten, Bettlern, Tuch-, Kappen-
und Handschuhmachern, Webern, Gerbern, Schneidern, Bauern, Hirten, Winzer, Gastwirten, Hoteliers,
Müllern und Zechern (!) und Tieren (Pferde, Hunde, Vögel) auf. In Deutschland gibt
es zwar nur ein Sankt Martin in der Pfalz (PLZ 67487), aber wenigstens 19 Orte bzw. heutige
Ortsteile, die sich nach dem heiligen Martin benennen: 37308 Martinfeld, Martinhagen (= 34270
Schauenburg- M.), Martinlamitz (= 95126 Schwarzenbach-M. an der Saale), 98693 Martinroda bei
Ilmenau, 36404 Martinroda bei Vacha, Martinsbuch (= 84252 Mengkofen-M.), 18551 Martinshafen,
Martinshaun (= 84061 Ergoldsbach - Post Ergoldsbach), 97340 Martinsheim, 66894 Martinshöhe,
04895 Martinskirchen, Martinskirchen (= 84329 Wurmannsquick - Post Rogglfing), Martinsmoos
(= 75387 Neubulach-M.), Martinsfest (= 95176 Konradsreuth - Post Konradsreuth), 06528 Martinsfisch,
55627 Mar-xisten, Martinstag (= 65344 Eltville-M.), Martinszell (= 87448 Waltenhofen-M.), Martinszell
(= 84101 Obersüßbach - Post Obersüßbach).
Martin teilt seinen Mantel
Zur Zeit des heiligen Martin galt ein kaiserliches Edikt, wonach die Söhne von Berufssoldaten
zum Kriegsdienst gezogen wurden. Dadurch wurde auch Martin, gegen seinen Willen, mit 15 Jahren
zum Militärdienst eingezogen. Noch war Martin nicht getauft; aber in allem verhielt er
sich nicht, wie sich sonst Soldaten verhielten: Er war gütig zu seinen Kameraden, wunderbar
war seine Nächstenliebe. Seine Geduld und Bescheidenheit überstiegen die der anderen
bei weitem. Seine Kameraden verehrten ihn und hielten ihn schon damals mehr für einen
Mönch als einen Soldaten. Denn, obwohl noch nicht getauft, zeigte er ein Verhalten wie
ein Christ: Er stand den Kranken bei, unterstützte die Armen, nährte Hungernde, kleidete
Nackte. Von seinem Sold behielt er nur das für sich, was er für das tägliche
Leben benötigte.
Eines Tages, als Martin nichts außer Waffen und dem einfachen Soldatenmantel bei sich
trug, begegnete er mitten im Winter, der von so außergewöhnlicher Härte war,
dass viele erfroren, am Stadttor von Amiens einem nackten Armen. Dieser flehte die Vorbeigehenden
um Erbarmen an. Doch alle liefen an dem Elenden vorüber. Da erkannte Martin, von Gott
erfüllt, dass der Arme, dem die anderen keine Barmherzigkeit schenkten, für ihn da
sei.
Aber was sollte er tun? Außer seinem Soldatenmantel hatte er ja nichts. Also nahm er
sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Den einen Teil gab er dem Armen, in den
anderen Teil hüllte er sich wieder selbst. Etliche der Umstehenden begannen zu lachen,
denn Martin sah mit dem halben Mantel kümmerlich aus. Viele jedoch, die mehr Einsicht
hatten, bedauerten sehr, dass sie nicht selbst geholfen hatten, zumal sie viel wohlhabender
als Martin waren und den Armen hätten bekleiden können, ohne sich selbst eine Blöße
zu geben.
In der folgenden Nacht, als Martin in tiefem Schlafe lag, sah er Christus mit seinem halben
Soldatenmantel bekleidet, den er dem Armen gegeben hatte. Ihm wurde befohlen, er solle sehr
aufmerksam den Herrn und das Kleidungsstück, das er verschenkt habe, ansehen. Dann hörte
Martin Jesus mit lauter Stimme zu der umstehenden Engelschar sprechen: "Martin, der noch
Katechumene (= Taufbewerber) ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet". Jesus Christus
dachte dabei tatsächlich an seine eigenen Worte, die er einst gesprochen hatte: "Was
immer ihr einem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40). So bekannte
Jesus Christus, dass er in dem Armen von Martin bekleidet worden ist. Um den Wert eines so
guten Werkes zu bestätigen, zeigte er sich in eben diesem Mantel. Dieses Traumgesicht
verführte Martin aber keineswegs zu menschlicher Ruhmsucht. Er erkannte in seiner Tat
vielmehr die Güte Gottes. Und als er 18 Jahre alt war, ließ er sich taufen.
Mantelteilung
Bronze-Relief an der Münsterkirche in Bonn. Die Teilung des Mantels an dem Stadttor von
Amiens im Jahre 334 . Angefertigt von Ernemann Sander, Bonn. Foto: Klaus Thull, Bonn.
Um 334 war der achtzehnjährige Gardeoffizier in Amiens stationiert. Neben Chalons und
Reims war Amiens seit den Tagen Caesars von strategischer Bedeutung. Es ist bekannt, daß
dort eine Reitertruppe unter dem Namen equites catafractarii Ambianenses" aufgestellt
wurde. In eben jene Zeit fällt das Ereignis, das bis heute das Andenken an Martin wachhält:
Eines Tages, mitten im Winter, der derart hart war, dass viele Menschen der strengen Kälte
zum Opfer fielen, begegnete Martin am Stadttor von Amiens (civitas Ambianensium) einem armen,
unbekleideten Mann. Martin selbst trug außer seinen Waffen und seinem Militärmantel
nichts bei sich. Als der Bedauernswerte nun die Vorübergehenden bat, sie möchten
sich seiner erbarmen, diese jedoch an dem armen Mann vorübergingen, verstand Martin, vom
Geist Gottes erfüllt, dass der Bettler ihm zugewiesen sei, da die anderen Menschen kein
Erbarmen zeigten. Aber was sollte er tun? Außer seinem Militärmantel, den er trug,
besaß er nichts, hatte er doch schon, was er sonst besessen hatte, für eine ähnliche
barmherzige Tat verwendet. Deshalb fasste er sein Schwert, mit dem er gegürtet war, teilte
den Mantel in der Mitte entzwei und gab die eine Hälfte dem Armen, mit der anderen Hälfte
bekleidete er sich. Einige der Umstehenden machten sich über ihn lustig, da ihn der abgerissene
Mantel entstellte. Durchaus glaubhaft ist, was eine jüngere Quelle anfügt, weil es
militärischem Denken entspricht: außer dem Spott seiner Mitmenschen habe Martin
auch noch eine Arreststrafe seitens seiner Vorgesetzten hinnehmen müssen: drei Tage Haft
wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum.
Das Mainzer Brevier von 1509 (Gutenberg-Museum, Mainz) zeigt auf der Titelseite die Mantelteilung.
In der Nacht, die auf die Mantelteilung folgte, erschien Martin im Traum Jesus Christus, bekleidet
mit Martins halbem Militärmantel. Zu den ihn umgebenden Engeln sprach Christus: Martinus,
der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!" In diesem Traum sah
der junge Offizier eine erneute Aufforderung, den Militärdienst aufzugeben, um in den
Dienst Gottes zu treten. Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit ließ sich Martin in
Amiens, damals schon Bischofssitz (346 nahm ein Bischof von Amiens am Konzil in Köln teil),
taufen. Seinen Militärdienst gab er aber noch nicht auf, weil sein Hauptmann, mit der
er befreundet war, ihn gebeten hatte, erst nach zwei Jahren um die Entlassung aus dem Militärdienst
zu bitten.
Die älteste Quelle erwähnt an keiner Stelle ein Pferd, auf dem der spätere Heilige
bei der Mantelteilung gesessen hätte. Die Reiterpose des Helden mit dem Schwert war aber
in römischer Zeit eine bekannte Stereotype in der Kunst. Spätere Darstellungen haben
diesen alten Bildtyp, der den heldenhaften Soldaten darstellte, übernommen und zugleich
verfremdet: Nicht mehr einen unterlegenen Gegner zwingt der Reiter nun in den Tod, er erhält
durch das Teilen einem Notleidenden das irdische Leben und erwirbt sich durch diese christliche
Haltung das ewige Leben.
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Martinsgans
Heute kennen die meisten die Gänse im Zusammenhang der Rede von den "dummen Gänsen",
- eine irrige Feststellung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Weder sind die Gänse "dumm",
noch haben sie in der geschichtlichen Tradition eine untergeordnete Rolle gespielt. In römischen
Zeiten war sie das Begleiter des Kriegsgottes Mars. Gänse sollen die Stadt Rom durch ihre
Aufmerksamkeit und warnendes Geschrei vor einem feindlichen Überfall bewahrt haben. Im
germanischen Denken war die Gans Symboltier Wotans, Opfertier und Verkörperung des Vegetationsgeistes.
Wer rituell eine Gans verspeiste, hatte Anteil an der Kraft des Vegetationsgeistes. Für
Köln wird aus dem 16. Jahrhundert berichtet: "Der Martinsabend war von jeher zu einem
Festschmaus bestimmt. Das war auch seit alters in Köln so. Die Tafel schmückte als
Hauptgericht die Martinsgans, knusprig gebraten und mit Äpfeln, Rosinen und Kastanien
gefüllt."
Martinslampen
(Mätesköppe, Meetesköppe, Martinsfackeln, Martinslampions)
Die Lichterumzüge symbolisieren das Martinsfeuer, das sie vielerorts ablösen: Die
Lichterumzüge bringen Licht in das Dunkle. In ländlichen Gebieten wurden früher
und werden heute noch Martinslampen aus Kürbissen und Runkelrüben ("Fruchtleuchten")
hergestellt. Es wird ein Deckel abgeschnitten, die Frucht ausgehöhlt, ein Gesicht in die
Außenhaut geritzt, eine Kerze eingesetzt und der Deckel wieder aufgesetzt. Die auf einen
Stock gespickte oder an einen Stock gehängte Laterne lässt sich einfach herstellen
und - bei Bedarf - leicht erneuern. Die Lichterumzüge haben ihr Vorbild in der liturgischen
Lichterprozession Lucernarium (d.h. Zeit des Lampenanzündens) während der ersten
Vesper am Vorabend eines hohen Feiertages.

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Weckmann
In den frühen Tagen der Kirche war es üblich, sonn- und feiertags nach dem Gottesdienst
als Kommunionersatz denen, die die Eucharistie nicht empfangen hatten, nicht hatten empfangen
dürfen (= Büßer, Katechumenen) oder nicht hatten empfangen können (= daheimgebliebene
Kranke), gesegnetes, aber nichtkonsekriertes Brot zu reichen. In der griechisch- und russisch-orthodoxen
Liturgie hat sich dieser Brauch erhalten, der auf die urchristliche Agapefeier (Liebesmahl)
nach dem Gottesdienst zurückgeht, die wiederum ein Brauch ist, den die Juden noch heute
pflegen: Nach dem Kabalath-Sabbath, dem Gottesdienst am Freitagabend zum Sabbathbeginn, versammeln
sich alle Gottesdienstteilnehmer zu einem gemeinsamen Mahl. Im Laufe der Zeit erhielt das dabei
verwandte Gebäck eine auf den Festinhalt bezogene Form. Man nennt es "Gebildebrot".
Der Weckmann, ursprünglich wohl nur am Nikolaustag, später auch am Martinstag und
heute in der gesamten Adventzeit üblich, (Stutenkerl oder Piepenkerl im Westfälischen;
Hefekerl in der Schweiz; aber auch Printenmann, Hanselmann, Klasenmann) ist ein Gebildebrot,
also eine mit Weizenmehlteig geformtes oder in den Teig geformte Figur: Dargestellt ist ein
Bischof! Die heute meist vorfindliche Tonpfeife ist ein Irrtum: Dreht man die Tonpfeife mit
dem Kopf nach oben, so erkennt man noch heute, dass statt der Tonpfeife ursprünglich ein
Bischofsstab angebracht war. Die Bezeichnung Printenmann drückt die Form des Gebildebrotes
aus, Stuten, Stutenkerl und Wecken, Wegge oder Weckmann, Weggmann, bezeichnen Teigart und Form
des Gebäcks.
11.11. (= Elfter im Elften)
Der "Elfte im Elften" gilt offiziell als Karnevalsbeginn. Die 11 gilt als Zahl der
Sünde, Symbolzahl der Narren, "Schnapszahl". Der 11.11. erwies sich als außerordentlich
hilfreich, symbolisiert doch die 11 die Überschreitung der Gott gesetzten zehn Gebote.
Die 11 wurde so zur Symbolzahl der Sünde. Diese Symbolik der Zahl 11 war dem Mittelalter
durchaus bekannt. Der "Ausbruch" des Karnevals um 11.11 Uhr am 11.11. jedoch ist
eine viel jüngere "Entdeckung" im vergangenen Jahrhundert.
Von:
© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln