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Der Coca-Cola-Mann hat
alle Vorgänger und auch
das Christkind verdrängt.
VON GISELA ARNDT
Köln - "Ich bin der kleine Weih-
nachtsmann, der euch was Schönes
bringen kann", sangen die Kinder
vor hundert Jahren. Den Gaben-
bringer, den sie dabei im Sinn hatten,
sah ganz anders aus als derjenige,
der am heutigen Heiligabend die
Kinderaugen zum Glänzen bringt.
Er war eher dünn, trug einen sack-
farbenen Mantel oder Umhang und
wurde manchmal von einem Esel begleitet.
Die Figur des alten Weihnachtsmannes
- eine Fantasiegestalt aus Väterchen
Winter und dem heiligen Nikolaus -
ist gründlich in Vergessenheit geraten.
Sie ist vollkommen von dem rot-weiß
gekleideten Dicken verdrängt. Hinter
dem
modernen Weihnachtsmann, der auf der
ganzen Welt populär ist, steht der
wohl größte Werbefeldzug aller
Zeiten.
Die amerikanische Firma Coca-Cola
hat im Jahre 1932 den gutmütig blickenden
Alten in ihre "Hausfarben" stecken
lassen. Eine "erfrischende Pause"
wünschte
der lächelnde Rauschebart von Plakaten
herab den Amerikanern vor nunmehr
70 Jahren. Die dicke, gutmütige Figur,
die Coca-Cola in den roten Mantel mit
weißen Pelzbesatz steckte, hatte zuvor
im Jahre 1862 der aus Deutschland
stammende Thomas Nast gezeichnet.
Nast ist einer berühmtesten Karikaturisten
der USA: Er schuf unter anderem auch
"Uncle Sam", die Symbol-Figur der
Vereinigten Staaten.
Sein "Santa Claus" belebte zahlreiche
Kinderbücher-
er trug allerdings noch keine rot-weiße
Zipfelmütze
und auch nicht den großen roten Mantel.
Mit dem Outfit von Coca-Cola wurde daraus
ein echter Weltbürger
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Wenn heute Kinder ihren Wunschzettel
ausfüllen haben sie den rotweiß
gekleideten
Mann im Sinn, der hier und da in den
vergangenen Jahren auch schon mal - nicht
ganz so erfolgreich - durch einer Weihnachtsfrau
ersetzt wurde.
"Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir
erstens einen neuen Computer, zweitens eine
Doppel DVD von Star Wars, drittens ein
ferngesteuertes Auto. . ." schrieb ein
Jungen
an das "Weihnachtsmannbüro"
in das
brandenburgische Himmelpfort. Mehr als 100
000
Kinder sandten auch in diesem Jahr wieder ihre
Wunschzettel dorthin, 40 000 Wunschlisten
kamen im bergischen Engelskirchen an. Rund
um. den rundlichen Rot-Weißen drehen
sich
mittlerweile beliebte, aber auch verteufelte
Einkaufs-Orgien. Die Garderobe des
Gabenbringers selbst
ist inzwischen ein Renner auf den
Weihnachtsmärkten: Jedes Jahr zur
Adventszeit kleiden sich immer mehr
Menschen wie Weihnachts-männer ein.
Auch Hunde und Katzen entkommen
dem weihnachtlichen Outfit nicht mehr.
Kein Wunder, dass die weltweit wohl
beliebteste Figur auch Feinde hat:
In Tirol hat sich bereits ein "Verein
zur
Förderung der Tradition des Christkindes"
gegründet. Der Verein will auch
Geschäftsleute fördern, die dem
Christkind treu geblieben sind und
mit ihm werben. In einer Umfrage aus
dem Jahre 1930 über Weihnachtsbräuche
lagen Christkind und Weihnachtsmann
in Deutschland noch gleichauf.
Dabei hat das Christkind die weitaus
längere Geschichte. Im 16. Jahrhundert
setzte sich Martin Luther dafür ein,
dass Kinder nicht mehr wie damals
üblich-vom heiligen Nikolaus,
sondern vom Christkind beschert
wurden. Doch das zarte,.
Engel-ähnliche Geschöpf hat gegen
den laut auftretenden Weihnachtsmann
kaum eine Chance
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